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KIDS-ROMANE
Punkt BASTIANS MUTPROBE
KIDS-ROMAN - 9500 ZEICHEN - © BY JENS KLAUSNITZER

Bastian wollte dazugehören! Zu Eric und seinen Freunden! Allerdings war das nicht ganz so einfach, wie er gedacht hatte, denn er war der Neue. Und deshalb wollten die anderen testen, wie gut er wirklich drauf war! „Du gehst jetzt da rein, schlenderst ein bisschen durch die Regale, packst die CD in deine Jacke und dann verschwindest du wieder! Ganz einfach, wirklich keine große Sache!" Eric hatte keine Lust mehr, diesem Bubi immer wieder zu erklären, wie er die Aktion durchziehen sollte. Wer hatte den Kerl nur angeschleppt? Ein Blick in die Augen dieses „Basti" und er wusste Bescheid! Der wollte jetzt bestimmt am liebsten bei Omi sein und sich ein bisschen auf dem Sofa langmachen. „Also? Was läuft?"  Bastian sah wieder zum Eingang des großen Elektronikmarktes, dann kratzte er sich am Kinn und hoffte, dass Eric nicht hörte, wie laut sein Herz schlug. „Was ist mit Hausdetektiven und so? Und wie soll ich überhaupt die Plastikbügel und die Sicherungsdinger abkriegen?", flüsterte er. Eric rollte mit den Augen. Der Typ war wirklich nerviger als seine eigene kleine Schwester.  „Mann, der Hausdetektiv ist ein harmloser Kerl, der hat keinen Revolver und der prügelt auch nicht mit einer Zaunslatte um sich! Also alles im grünen Bereich! Und die Sicherungsetiketten? Tja, ein bisschen was musst du dir schon selbst einfallen lassen, ich kann dir ja nicht alles verraten!"  Der Hausdetektiv! Für Bastian war nichts im grünen Bereich! „Du kennst den wohl?", erkundigte er sich, aber Eric grinste nur breit. „Nee, der Schnüffler ist viel zu langsam, wenn er mich blocken will. Wir hatten noch nicht das Vergnügen!" Aufmunternd klopfte er Bastian auf die Schulter. „Keine Sorge, ich habe mir sagen lassen, der die meiste Zeit in der Fernsehabteilung herumhängt. Bei so einer kleinen Maus, die zwar nicht klaut, aber die Geräte dort verkauft!"  Eric warf einen Blick auf seine Armbanduhr. „Mir ist kalt und ich habe Hunger, ich muss unbedingt in der nächsten Zeit ein Häppchen einwerfen! Ich gebe dir jetzt noch eine Minute, wenn du dann nicht in die Gänge kommst, bin ich weg! Und wenn ich weg bin, kannst du hier den ganzen Markt ausräumen, das interessiert dann niemanden mehr!" Vielleicht sollte er das Ganze sofort beenden und Bastian wieder zu Mami schicken?  Bastian zählte insgeheim die Sekunden mit. Ihm blieb keine große Wahl, wenn er nicht weiterhin nachmittags allein sein wollte. Mit Eric und seinen Freunden war immer etwas los, da wurde es nie langweilig. Und Eric hatte Recht, der Hausdetektiv würde wohl kaum mit einer Pistole herumballern! Was sollte also passieren?  „Los, komm mit! Ich zeige dir jetzt mal, wie ein Profi so etwas abzieht!", erklärte er mutig. Jetzt konnte er nicht mehr kneifen, ansonsten war er erledigt. Eric gefiel Bastians Wandlung vom Feigling zum Macher, er nickte begeistert. „Okay, heute Extra-Bonus: Ich halte mich immer in deiner Nähe auf, damit dir die bösen Buben nichts tun!"  Sie gingen durch die große Glastür und Bastian schaffte fast das Drehkreuz nicht. „Wo bleibst du denn?", zischte er Eric zu, der direkt hinter ihm war. Scheinbar interessiert sah sich Bastian in der Telefonabteilung die vielen Geräte an, er probierte an dem einen Apparat, ob der Hörer zu seinem Gesicht passte, und las sich bei einem anderen die unverständlichen Angaben auf dem Karton durch.  Eric war immer bei ihm, wie er versprochen hatte! Dabei verhielt er sich aber so unauffällig, es jedem anderen auffallen musste! Alle zehn Sekunden drehte er den Kopf in Bastians Richtung, starrte ihn aus großen Augen an und schaute dann gelangweilt wieder weg. Das reichte wahrscheinlich nicht, denn er musste unbedingt auch noch ein lustiges Liedchen pfeifen und den Rhythmus dazu auf den Verpackungen trommeln. Bastian schnaufte. Eric war ja wirklich ein Experte, da konnte alles doch nur schief gehen!  „Na, suchst wohl ein schönes Geschenk für die Mutti zum Geburtstag?", hörte Bastian plötzlich und fuhr zusammen. Ein Verkäufer, der länger war als der Winter in Alaska, baute sich vor ihm auf, blendete mit seiner grellroten Weste und grinste ihn an. „Frag ruhig, wenn ich dir was erklären soll!"  Mann, warum sagt dem Kerl niemand, er beim Grinsen den Mund nicht aufmachen darf, dachte Bastian. Diese schrägen, gelben Zähne sind ja echt was für ein Poster im Wartezimmer beim Zahnarzt. „Putzt immer schön eure Zähne, liebe Kinder, sonst seht ihr aus wie der Onkel!" Oder so ähnlich!  „Nee, danke, meine Mutter hat erst in zwei Jahren wieder Geburtstag!" Bastian musterte den Verkäufer von oben bis unten, dann blieb sein Blick an den Schuhen des Mannes hängen. „Tolle Wollsocken tragen Sie! Hat die Ihre Großmutter gestrickt?" Während der Verkäufer noch erschrocken auf seine Füße sah, ein leises „Wie? Wollsocken?" murmelte und nervös an seiner Weste herumzupfte, war Bastian schon verschwunden.  Musste er diesen seltsamen Vogel unbedingt provozieren? Reichte es nicht, wenn er sich fühlte, als ob ihn alle Angestellten des Marktes sowieso schon beobachteten und ihm auf der Stirn zu stehen schien: „Achtung, ich klaue gleich eine CD!"? Langsam arbeitete er sich zu den langen Regalen mit den CDs vor, Eric wie seinen Anhänger immer hinter sich herziehend.  Welche es sein soll, hat ja keiner festgelegt, sagte sich Bastian, als er sah, Eric in dem Bereich herumstöberte, über dem ein Schild mit der dicken, fetten Aufschrift „Volksmusik" prangte. Er sollte wohl am besten die Hülle einer CD von Patrick Lindner einstecken, da würde von Erics Freunden bestimmt niemand nachschauen, ob wirklich eine CD drin war!  Bastian hatte sich für das Regal mit den aktuellen Teilen entschieden, vor den kleinen Boxen von Nummer eins bis zwanzig der Charts drängten sich so viele Menschen, dass es hier bestimmt funktionieren würde.  Als er sich an das Metallregal schob, noch einmal tief einatmete und seine Hand aus der Tasche nahm, bemerkte er ein Mädchen, das ein paar Meter entfernt von ihm stand und ihn anlächelte. Er wurde rot, weil er ihr Lächeln als Begeisterung deutete, dann wurde er blass, weil ihm plötzlich einfiel, dass ein Hausdetektiv ja nicht immer ein grimmig aussehender Kerl sein musste.  Ein echter Profi lässt sich nicht ablenken, entschied er, sah aber trotzdem wieder zu dem Mädchen. Sie lächelte noch einmal, dann wandte sie sich um und ging weiter. Bastian war verwirrt. Was hatte das zu bedeuten? „Es soll bestimmt so sein, das Schicksal hat zu dir gesprochen!", wie seine Mutter immer knurrte? Oder einfach nur Zufall? Er musste sich neu in Stimmung bringen, deshalb ließ er sich von der Menge ein bisschen zurücktreiben und beobachtete einfach nur.  He, was war denn das? Hatte der Typ da nicht gerade eine CD unter seinem Anorak verschwinden lassen? Oder träumte er? Bastian sah sich zu Eric um, der mit einem verstohlenen Grinsen einen kleinen Heino in der Hand hielt und Bastian zuzwinkerte. „So geht das!", schien sein Blick zu sagen. „Sei endlich locker, sonst ist der Laden leer, weil die anderen schneller waren!"  Als Bastian hochblickte, entdeckte er wieder das Mädchen, das an der gleichen Stelle wie vorhin stand. Und ihn wieder anstrahlte. Langsam wurde es zu viel! Eric beobachtete ihn, das Mädchen beobachtete ihn! Vielleicht auch der Hausdetektiv, der Bundeskanzler, der Osterhase und der Weihnachtsmann? Da konnte er sich ja gleich auf eine Bühne stellen und die CD-Umlagerung als Live-Act bringen!  Er musste sich nun entscheiden: Wollte er zum Scheibendieb oder zum Häscher werden, wollte er Eric und seinen Freunden oder dem Mädchen gefallen? Für seine Entscheidung brauchte er nur Sekunden. „Jetzt kannst du mal was erleben!", raunte er Eric zu, dann drängte er sich an den Jungen. „Na, Alter, das Angebot hier ist ziemlich krass, oder?" Weil der Junge nicht reagierte, legte er ihm den Arm um die Schultern und flüsterte. „Leg die CD wieder zurück, sonst schimpft die Mami!" Nun sah ihn der Junge an. „Wer bist du denn? Ein Schnüffler? Nimm deinen Greifer von meiner Kutte und verzieh dich!" Er wollte sich losreißen, aber Bastian hielt ihn am Arm fest.  Sekunden später krachten ein paar CDs herunter und die beiden Jungen rangen auf dem Boden miteinander. Als Bastian den anderen im Griff hatte und ihn am Kragen des Anoraks nach oben zog, standen zwei Typen vor ihm. Einer im Sweatshirt, der andere im Anzug. „Würdet ihr beide mal bitte mitkommen?", meinte der Schlipsträger und es klang nicht wie eine Bitte.  In einem Hinterzimmer erfuhr Bastian, dass er sich umsonst mit seinem Widersacher geprügelt hatte. Der war nämlich quasi ein Dummie, mit dessen Hilfe ein neuer Hausdetektiv getestet werden sollte. Damit nicht genug, das Mädchen war auch noch die Tochter des Filialleiters, die alles beobachten wollte! Prima, zu Eric und seinen Freunden würde er nie gehören, vor einem absoluten Mädchen hatte er sich zum Clown gemacht und der neue Hausdetektiv bekam bestimmt Stress, weil er nicht schnell genug gewesen war. Da half auch der Einkaufsgutschein nicht, den ihm der Filialleiter „für seine besondere Wachsamkeit" überreicht hatte.  „Na, dein Kumpel war ja ziemlich schnell in der Kurve!", sagte das Mädchen, das plötzlich neben ihm stand. Bevor sich Bastian rechtfertigen konnte, setzte sie noch hinzu: „CDs klauen kann jeder, sogar meine ängstliche Oma könnte das! Aber so einen Mut wie du hat nicht jeder. War nicht schlecht!" Bastian wusste nicht, ob sie ihn auf die Rolle nahm oder nicht.  Erst als er ein leises „Ich habe jetzt Mittagspause! Kommst du mit auf eine Pizza?" hörte, war er froh, dass er nicht zu Erics Hampelmann geworden war. 


Punkt SCHLECHTE NACHRICHT
KIDS-ROMAN - 2500 ZEICHEN - © BY JENS KLAUSNITZER

„Kannst du dir den Winkler vorstellen, wenn der mal telefonieren will?“ Torsten war toll, wenn er seinen Geschichtslehrer spielte. Er kratzte sich scheinbar verzweifelt an der Stirn, befeuchtete seine Finger und blätterte dann die Seiten eines Buches um.  „Ja, also ja, wollen wir doch mal so sagen: Ich kann da augenblicklich nichts zu sagen. Ich müsste mich da erst mal reinlesen! Vielleicht reden wir in einer der nächsten Stunden darüber, einverstanden? So etwas habe ich eigentlich noch nicht gesehen, wenn ich ehrlich bin! Man muss ja als Geschichtslehrer auch nicht alles wissen, oder seht ihr das anders, Herrschaften?“  Während die anderen begeistert johlten, lehnte sich Torsten auf seinem Stuhl zurück. „Der hat bestimmt noch so einen krassen alten Kasten zu Hause, bei dem man an der Seite kurbeln muss. Oder er schickt Brieftauben durch die Gegend, die er auf seinem Boden hält. Jede in einem kleinen Pappkarton, mit einem ordentlichen Schildchen dran!“  Torsten stand auf, verzog seinen Mund zu einem säuerlichen Lächeln, kniff die Augen zusammen und stemmte die Hände in die Hüften. „Eine saubere Beschriftung, meine Damen und Herren, das ist die Grundlage jeder sauberen Arbeit, nicht wahr!“  Wie in der Jugendherberge saßen die anderen um Torsten herum, und dem gefiel seine eigene Show immer besser. Er war so beschäftigt, dass er nicht sehen konnte, wie sein „Lieblingslehrer“ draußen auf dem Gang hinter der offenen Tür stand und lächelte.  „Vielleicht schreibt der Winkler auch noch versiegelte Briefe, mit Kerze und Wachs und so. Denn wenn er ‚Fax’ hört, denkt er bestimmt immer ‚Wachs’ und meißelt seine nächste Message! Wenn dem seine Frau mal ein richtiges Telefon schenken will, dann muss sie es einbuddeln! Der ist Geschichtslehrer und da möchte er das Teil ja unbedingt ausgraben! Bei Ausgrabungsarbeiten gefunden, cool, oder? Und dann rennt er zu seiner Frau. ‚Sieh mal, was ich gefunden habe, Schatzi! Ein Telefonicus Tastaturus wähli, ich werde gleich mal bestimmen, welcher Epoche das zuzurechnen ist, nicht wahr?’ Der ist so altmodisch, Mann, das hältst du nicht aus!“  Francine, die als Einzige in der Klasse bisher nicht mit dabei gewesen war, setzte sich auf einmal neben Torsten. Und genau in diesem Moment plärrte etwas in Torstens Schultasche.  „Entschuldigt mal, mein Hund wimmert gerade!“, erklärte Torsten, kramte ein paar Sekunden in der Tasche und zog sein Handy heraus.  „SMS, cool!“, stellte er nach einem Blick auf das Display fest. „Von dir, oder?“ Francine schüttelte den Kopf. „Träum weiter!“ Torsten ließ sich nicht irritieren. „Vielleicht von Claudia? Oder Yvette? Anja? Will Lisa ins Kino?“, vermutete er laut und die anderen schwiegen beeindruckt. Torsten musste ja wirklich viele Freunde haben!  Leider lag er ziemlich daneben, denn die Nachricht war nicht von Yvette oder Anja, und schon gar nicht von Lisa. „Hallo Torsten“, las er laut vor. „für deine letzte Klassenarbeit kannst du nur eine uncoole Sechs abfassen. Dumm gelaufen, Alter! Dein Geschichtslehrer Winkler!“



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